· Rumtoo Engineering Team · Kaufratgeber  · 4 Min. Lesezeit

Silikon, Gummi oder Kunststoff richtig trennen

Silikon, Gummi und Hartkunststoff landen häufig im selben Recyclingstrom, sind aber nicht gleich. Dieser Leitfaden erklärt die Unterschiede, die Grenzen der Dichtetrennung und den Weg zu sauberem sortenreinem Mahlgut.

Silikon, Gummi oder Kunststoff richtig trennen

In Recyclingbetrieben werden „Silikon“, „Gummi“ und „Kunststoff“ im Alltag manchmal gleichgesetzt und gemeinsam zerkleinert. Für einen Abnehmer, der sauberes sortenreines Mahlgut kauft, sind es drei verschiedene Werkstoffe mit unterschiedlichen Risiken. Schon wenige Prozent Silikon oder Gummi können gutes ABS- oder PP-Mahlgut zu niedrig bewerteter Mischware machen. Dieser Leitfaden erklärt die Werkstoffunterschiede, warum die übliche Dichtetrennung scheitert und wie die Trennung in der Praxis gelingt.

Die drei Werkstoffe im Überblick

  • Thermoplastischer Hartkunststoff: ABS, PS, PP, PE, PVC, PC und ähnliche Kunststoffe. Er erweicht beim Erwärmen und erstarrt beim Abkühlen, sodass er erneut geschmolzen und granuliert werden kann. Er ist hart, formstabil und gleitet leicht.
  • Gummi als Elastomer: Naturkautschuk, EPDM, NBR, SBR und andere. Die meisten Gummisorten sind vulkanisiert und damit vernetzt. Sie schmelzen nicht mehr, lassen sich dehnen, federn zurück und weisen hohe Oberflächenreibung auf.
  • Silikon: ein Silizium-Sauerstoff-Polymer und kein Kunststoff mit Kohlenstoff-Hauptkette. Es ist weich, elastisch, hitzebeständig und chemisch inert. Ausgehärtetes Silikon lässt sich ebenfalls nicht wieder aufschmelzen.

Der Hartkunststoff ist der Wertstoff, der zurückgewonnen und erneut verarbeitet werden soll. Gummi und Silikon sind elastische, nicht schmelzende Störstoffe, die die Qualität des Rezyklats senken.

Warum die Werkstoffe vermischt anfallen

Gummi und Silikon kommen selten als saubere Einzelfraktion an. Sie haften am Kunststoff oder werden zusammen mit ihm zerkleinert:

  • Umspritzungen und Dichtungen: starres ABS- oder PC-Gehäuse mit weichem Griff, Gummidichtung oder Silikonabdichtung.
  • WEEE und Elektroschrott: Gummifüße, Silikontastaturen, Dichtungen und Kabelmäntel in geschredderten Geräten.
  • Altfahrzeuge: Dichtprofile, Schläuche, Verkleidungen und Dichtungen in der Kunststofffraktion.
  • Kabelmahlgut: nach der Kupferrückgewinnung bleiben PVC oder PE zusammen mit Gummi- und Silikonisolierungen.
  • Medizinische Abfälle: Gummistopfen und Silikonteile im PP- oder PE-Flaschenmahlgut.

Nach der Granulierung besteht der Strom überwiegend aus brauchbarem Hartkunststoff, enthält aber über das gesamte Material verteilte Elastomerpartikel.

Warum die Dichtetrennung nicht ausreicht

Ein Schwimm-Sink-Becken trennt danach, ob ein Werkstoff in Wasser schwimmt oder sinkt. Das funktioniert etwa bei PP/PE gegenüber PET/PVC. Bei Gummi und Silikon versagt es, weil deren Dichten die Bereiche der Zielkunststoffe überlappen.

WerkstoffTypische Dichte (g/cm³)
PP0,90–0,92
HDPE0,94–0,97
PS1,04–1,07
ABS1,04–1,07
Silikon1,10–1,20
PET1,38–1,40
PVC1,30–1,45
Gummi, je nach Mischung0,90–1,50

Silikon liegt nahe an ABS und PS. Gummimischungen decken nahezu den gesamten Bereich gängiger Kunststoffe ab. Ein Wasserbad kann deshalb keine zuverlässige Schwimm-Sink-Grenze erzeugen und lässt Verunreinigungen im Produkt.

Wie Recycler Silikon und Gummi tatsächlich abtrennen

Wenn die Dichte keinen nutzbaren Unterschied bietet, bleiben zwei trennwirksame Eigenschaften:

  1. Elastizität: Gummi und Silikon verformen sich und federn zurück; Hartkunststoff nicht.
  2. Oberflächenreibung: Gummi und Silikon haften; Hartkunststoff gleitet.

Ein Silikon-Gummi-Separator nutzt genau diese Merkmale. Trockenes Mahlgut wird als dünne Schicht über ein Deck mit rotierenden Reibspindeln geführt. Harte, gleitfähige Kunststoffflakes bewegen sich nach vorn zum Produktaustrag. Elastische Partikel greifen an der rotierenden Oberfläche und gelangen in einen separaten Austrag.

Das Verfahren arbeitet trocken und mechanisch, ohne Wasser, Chemikalien oder materialschädigende Wärme. Bei sauberer, trockener und passend klassierter Aufgabe lässt sich der Gummirest auf unter etwa 2 % senken. Diese Grenze entscheidet häufig zwischen verkaufsfähigem sortenreinem Mahlgut und Mischschrott. Auf der Seite Silikon-Gummi-Separator zeigt Rumtoo, wie Deck, Spindeldrehzahl und Durchsatz auf das Zielmaterial abgestimmt werden.

Schneller Eigenschaftsvergleich

EigenschaftHartkunststoffGummiSilikon
Wieder aufschmelzbarJaNein, vulkanisiertNein, ausgehärtet
Elastisch / RückfederungNeinJaJa
OberflächenreibungNiedrigHochHoch
Dichte gegenüber KunststoffenÜberlappendÜberlappend
Zuverlässig über Dichte trennbarHäufigNeinNein
Über Reibung/Elastizität trennbarJaJa

Wann sich die Trennung rechnet

Nicht jeder Materialstrom braucht eine eigene Trennmaschine:

  • Sinnvoll ist sie bei sortenreinem ABS-, PP- oder PC-Mahlgut für Compoundierung oder Spritzguss, wenn ein Grenzwert für Gummi über Misch- oder Premiumpreis entscheidet.
  • Nicht zwingend ist sie, wenn die nachgelagerte Anwendung die Verunreinigung verträgt oder der Elastomeranteil bereits vernachlässigbar ist.
  • Eine Musterprobe bleibt Pflicht. Gummisorte, Korngröße und Feuchte verändern das erreichbare Ergebnis. Nur ein repräsentativer Test erlaubt eine belastbare Zusage.

Zusammenfassung

Silikon, Gummi und Hartkunststoff sehen im Mahlgut ähnlich aus, verhalten sich beim Recycling aber grundverschieden. Nur der Thermoplast schmilzt erneut; vulkanisierter Gummi und ausgehärtetes Silikon bleiben elastische Störstoffe. Weil sich ihre Dichten mit gängigen Kunststoffen überschneiden, reicht das Schwimm-Sink-Verfahren nicht aus. Zuverlässige Trennung nutzt Reibung und Elastizität.

Wenn Gummi oder Silikon den Wert eines sonst sauberen Kunststoffstroms begrenzt, senden Sie uns eine Probe. Rumtoo prüft sie auf einem Silikon-Gummi-Separator, misst den erreichbaren Restgehalt und erstellt ein Angebot auf Basis des getesteten Ergebnisses.

  • Silikon-Gummi-Separator
  • Gummientfernung
  • Kunststoffmahlgut Reinheit
  • WEEE-Recycling
  • Elastomertrennung
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